Gruppen mit christlichem Bezug

In der Religionswissenschaft bezeichnet dieser Begriff Bewegungen, die Elemente des Christentums oder der Bibel übernehmen, diese jedoch mit Sonderlehren, zusätzlichen Offenbarungen oder eigenen Schriften verbinden und klassische Glaubenssätze neu interpretieren.[1]

Die Kirche beurteilt diese Gruppen kritisch, wenn sie fundamentale Glaubenswahrheiten verändern oder zusätzliche Offenbarungsquellen einbringen:

  • Abschluss der Offenbarung: Die katholische Kirche lehrt, dass die Offenbarung in Jesus Christus ihre Vollendung gefunden hat. Das Glaubensgut wird unveränderlich in der Einheit von Heiliger Schrift und Tradition bewahrt.[2]
  • Ökumenisches Fundament: Unverrückbare Grundlage des christlichen Glaubens sind die altkirchlichen Dogmen: die Dreifaltigkeit Gottes, die wahre Gottheit Jesu Christi sowie sein Kreuzestod und seine leibliche Auferstehung.[3]

 

Im Folgenden werden eineige Gruppen genannt: 

Die Familie
Die Familie (Children of God): Von David Berg („Moses David“) gegründet. Seine sogenannten „MO-Briefe“ besaßen für die Mitglieder absolute, gottunmittelbare Autorität.[4]
Die Palmerianische Kirche /El Palmer de Troya-Sekte
Palmarianische Kirche: Spanische Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche um Clemente Domínguez y Gómez, der sich selbst zum Gegenpapst erklärte. Die römische Glaubenskongregation erklärte ihre Weihen für ungültig.[5]
Rosenkreuzer
Rosenkreuzer: Esoterische Strömungen seit der frühen Neuzeit, die christliche Mystik mit hermetischem und geheimem Wissen (Gnosis) zur geistigen Vervollkommnung verbinden. [6]
Vereinigungskirche („Mun-Bewegung“)
Vereinigungskirche („Mun-Bewegung“): 1954 von Sun Myung Moon in Korea gegründet. Kombiniert das Christentum mit ostasiatischen Denktraditionen; die Schriften des Gründers besitzen neben der Bibel normative Geltung.[7]
Worldwide Church of God
Worldwide Church of God (Weltweite Kirche Gottes): Von Herbert W. Armstrong gegründet, vertrat sie lange Zeit starke Sonderlehren. Nach seinem Tod vollzog sie eine radikale Kehrtwende zum orthodoxen Evangelikalismus und legte diese ab.[8]
Zeugen Jehovas
Zeugen Jehovas: Im 19. Jahrhundert aus der Bibelforscherbewegung entstanden. Sie nutzen eine eigene Übersetzung (Neue-Welt-Übersetzung) und lehnen zentrale Dogmen wie die Trinität und die Gottheit Christi strikt ab.[9}

[1] Vgl. Hock, Klaus: Einführung in die Religionswissenschaft, 5. Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2014

[2] Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), Pattloch Verlag, München 2005, §74–95.

[3] Ebd., §232–267 und §422–682.

[4] Vgl. Gasper, Hans / Müller, Joachim / Valentin, Friederike (Hrsg.): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Herder, Freiburg 2001

[5] Ebd.

[6] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung zu den Weihen von El Palmar de Troya, 12. März 1983, in: AAS 75 (1983)

[7] Vgl. Faivre, Antoine: Access to Western Esotericism, SUNY Press, Albany 1994

[8] Vgl. Clarke, Peter B.: Encyclopedia of New Religious Movements, Routledge, London/New York 2006

[9] Vgl. Gasper / Müller / Valentin: Lexikon der Sekten

[10] Vgl. Chryssides, George D.: Historical Dictionary of Jehovah’s Witnesses, Rowman & Littlefield, Lanham 2019, Lemma: „Jehovah’s Witnesses“